Fachtag in der haug&partner unternehmensgruppe zu den neuen Trägeranforderungen des Kinder- und Jugendstärkungsgesetz

Auf Einladung von Herrn Rainer Haug, Gesamtleiter der haug&partner unternehmensgruppe, fand im Tagungshaus der albakademie in Beuren am 28.07.2021 ein Arbeitstreffen der Gesamtleitung der haug&partner unternehmensgruppe mit Experten aus der Rechtssprechung statt, um die Auswirkungen des nun verabschiedeten Kinder- und Jugendstärkungsgesetz zu erörtern.

„Das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz enthält viele grundlegende Reformen, die selbstverständlich auch bei uns Beachtung finden müssen“, so Rainer Haug. „Denn das Ziel des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes ist es, mit einer modernen Kinder- und Jugendhilfe vor allem diejenigen jungen Menschen zu stärken, die besonderen Unterstützungsbedarf haben. Diesem Anspruch muss und will die haug&partner unternehmensgruppe weiterhin gerecht werden.“

Im Rahmen des Arbeitstreffens wurden die zentralen Reformaspekte des Gesetzentwurfes gemeinsam erörtert und auf ihre Auswirkungen überprüft: Familien, Kinder und Jugendliche sollen durch das Gesetz leichter und schneller ortsnahe Hilfe bekommen. In Notsituationen sollen sie sich an eine Erziehungsberatungsstelle in ihrer Umgebung wenden können, um dort unbürokratisch – ohne Antrag und ohne Amt – eine Hilfe zur Bewältigung ihres Alltags zu erhalten.

Weitere Aspekte der Reform betreffen die Themenfelder Kinderschutz, Pflegekinderwesen, Beteiligung junger Menschen sowie die Aufsicht über Einrichtungen durch die Landesjugendämter. Zentrales Anliegen des Gesetzentwurfes ist perspektivisch die Schaffung einer Kinder- und Jugendhilfe für alle junge Menschen – mit oder ohne Beeinträchtigung.

Die beiden wesentlichen Aspekte „Beteiligung der jungen Menschen“ sowie „Kinderschutz“ sind bereits fest verankert in den konzeptionellen Grundlagen der Träger der haug&partner unternehmensgruppe sowie in den festgelegten Verfahrensabläufen und verbindlichen Prozessen in der Leitung und Betreuung. Die Partizipation der jungen Menschen ist seit jeher in der Betreuung und Begleitung der jungen Menschen unumstößlich festgeschrieben. Gleichwohl gilt es stets, alle Aspekte der Beteiligungsformen der jungen Menschen stetig zu überprüfen und weiterzuentwickeln.  Die Verankerung sowie die Weiterentwicklung hierzu liegt in der Trägerverantwortung.

Die Trägerverantwortung wird durch das neue Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) differenziert aufgeschlüsselt und benannt. Die Wahrnehmung der Trägerverantwortung muss gesichert sein – insbesondere die „fachliche Steuerung“. Dabei ist die Trägerverantwortung gekennzeichnet von pädagogischen und administrativen Aufgaben. Dies beinhaltet zum einen die administrativen Anforderungen: Das zur Verfügung stellen der erforderlichen personellen, sachlichen und organisatorischen Ressourcen und die Sicherung deren Finanzierung (Verantwortung der Wirtschaftlichkeit). Ein weiterer wesentlicher Faktor der Trägerverantwortung ist die Festlegung des pädagogischen Leitfadens: Durch Betriebsnormen – beispielsweis in Form einer Rahmenkonzeption – muss die trägerinterne, pädagogische Grundhaltung dargestellt werden.  Dadurch gibt der Träger an, welcher pädagogischen Richtung er sich verpflichtet. Die Trägerverantwortung beinhaltet somit unter fachlichem Aspekt, Vorgaben zur pädagogischen Grundhaltung und Rechtmäßigkeit des Verhaltens. Dies geschieht durch:

→ Weisung, Aufsicht und Beratung, gegenüber freien Mitarbeiter*innen durch vertraglich abgesichertes Einwirken/ Kontrolle/ Beratung, notfalls auch durch fristlose Kündigung. Unter administrativem Aspekt muss der Träger erforderliche personelle, sachliche und organisatorische Ressourcen zur Verfügung stellen.

→ Die Analyse und Umsetzung der fachlich-pädagogischen und administrativen Aufgaben des Trägers im Hinblick auf die rechtlichen Anforderungen sowie der Qualitätssicherung und -entwicklung.

→ Die pädagogische Konzeption: Es muss eine kindeswohlgerechte pädagogische Konzeption den Handlungsrahmen sichern. Das bedeutet: Die mit dem Konzept verbundenen Angebote und Leistungen müssen für eine neutrale, fachlich geschulte Person nachvollziehbar pädagogische Ziele verfolgen und damit fachlich verantwortbar sein.

Zudem muss die Erziehungsethik des Trägers sowie seine fachlichen Leitlinien dargelegt sein.

→ Das Vorhalten von auf Dauer angelegten personellen, sachlichen und organisatorischen Ressourcen zum Zwecke der Unterkunftsgewährung oder der Ganztagsbetreuung unabhängig von deren Wechsel.

→ Die Organisationsstruktur, die die 3 Ebenen (Betreuungs-, Leitungs-, Trägerverantwortung) enthält, so dass die fachliche Steuerung nachweisbar ausgeübt werden kann.

→ Die Sicherung des Kindeswohles durch die Trägernormen und die pädagogische Grundhaltung (Betriebskultur) sowie der Steuerung und Kontrolle durch die Leitung und die fallbezogene Umsetzung in der Betreuung.

→ Die Ausübung der zulässigen Macht des Trägers, die fachlich verantwortbar ist und sich rechtlich zulässig verhält und entsprechend im Handeln und bei Entscheidungen die Voraussetzungen für das objektiv nachvollziehbare Verfolgen pädagogischer Ziele sich zeigt.

Die haug&partner unternehmensgruppe begrüßt die mit dem neuen KJSG verfolgte Zielsetzung, junge Menschen durch mehr Teilhabe, bessere Leistungsangebote und einen wirksameren Schutz umfassend zu stärken und die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe zu einem inklusiven und belastbaren Unterstützungssystem auszugestalten. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Umsetzung der Veränderungen zu neuen Herausforderungen bei den freien Trägern der Sozialen Arbeit führt. Verbunden damit ist ein (Weiter-) Qualifizierungsbedarf sowie Leistungsausweitungen und Mehraufwand für die Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Die daraus folgende finanzielle Mehrbelastung wird noch weitere Erfordernisse mit sich bringen.

Das Arbeitstreffen der haug&partner unternehmensgruppe zeigt auf, dass ihre Träger die Anforderungen des Kinder-, Jugend-, Stärkungsgesetzes umsetzen und für die künftigen Herausforderungen der öffentlichen Erziehung als zuverlässige Partner sehr gut fachlich aufgestellt sind.


Erweiterung der haug&partner unternehmensgruppe: h&p Berlin/Brandenburg Kinder-, Jugend- und Familienhilfe GmbH

Seit dem 15.08.2021 ist die haug&partner unternehmensgruppe durch die neugegründete Gesellschaft h&p Berlin/Brandenburg Kinder-, Jugend- und Familienhilfe GmbH nun zusätzlich in den Regionen Berlin und Brandenburg mit familienintegrativen Betreuungsangeboten für junge Menschen aktiv.

Der Träger reagiert mit seiner Gründung auf den fortlaufend steigenden Bedarf an individuellen, alltagsorientierten und bedarfsgerechten Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche. Dabei bietet das Betreuungssetting im familiären Umfeld die Möglichkeit, in einer „familiären Normalität“ aufzuwachsen, welche zeitgleich einen professionellen Kontext darstellt. Dies gewährleistet eine fachlich hochwertige und gelingende Betreuungsform innerhalb der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.

Dabei kann die h&p Berlin/Brandenburg GmbH bereits auf langjährige Erfahrungswerte zurückgreifen: Herr Joshua Haug, Geschäftsführer, ist bereits in diesem Bereich erfolgreich in führender Funktion tätig. Auch die neue Leitung der Angebote in häuslicher Gemeinschaft, Frau Elisabeth Dres, bringt eine langjährige Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe sowie Leitungserfahrung im pädagogischen Bereich mit sich.

Die haug&partner unternehmensgruppe freut sich sehr, ihren Wirkungskreis mit der h&p Berlin/Brandenburg GmbH in zwei weiteren Bundesländern zu erweitern und damit jungen Menschen auch in diesen ein individuelles und bedarfsgerechtes Betreuungsangebot bieten zu können.


Klausur zur Beteiligung von jungen Menschen in der haug&partner unternehmensgruppe

Die haug&partner unternehmensgruppe steht für die Beteiligung der zu betreuenden jungen Menschen. Um diesem Anspruch nachhaltig gerecht zu werden und hierbei maßgeblich die Veränderungen der neuen Gesetzgebung im neuen Kinder-, Jugend-Stärkungsgesetz zu gewährleisten, führte die Gesamtleitung der haug&partner unternehmensgruppe vom 5. Juli bis zum 7. Juli 2021 mit Experten aus der Erziehungswissenschaft eine Klausur im Tagungshaus der albakademie GmbH in Ladelund durch unter dem Motto: „Junge Menschen beteiligen als Subjekt ihrer eigenen Entwicklung und als Expert*innen in eigener Sache!“

Die Beteiligung der jungen Menschen in allen Belangen ihres Lebens ist seit Gründung 2009 ein unumstößlicher Grundsatz in der haug&partner unternehmensgruppe. Nun regt die neue Gesetzgebung an, die konzeptionellen Grundlagen und Beteiligungsformen in den Blick zu nehmen und diese weiterzuentwickeln.

Seit 10.6.2021 ist das neue Kinder-, Jugend-, Stärkungsgesetz in Kraft. Eine wichtige Veränderung stellt die Stärkung der Beteiligungsrechte der jungen Menschen dar.

Schon in der Stellungnahme der Bundesregierung zur Vorlage des Elften Kinder- und Jugendberichts heißt es, dass „Kinder und Jugendliche […] daran interessiert (sind), sich für die ihnen wichtigen Belange einzusetzen und an Entscheidungen, die ihr gegenwärtiges oder zukünftiges Leben betreffen, beteiligt zu sein. […] Zutreffend ist […], dass junge Menschen sehr genau registrieren, ob Beteiligungsmöglichkeiten „ernst gemeint“ sind, ob ihnen tat­sächliche Gestaltungsmöglichkeiten in wesentlichen Fragen eingeräumt werden. Auch geht es um die Frage, ob ihnen zur Beteiligung Formen an­geboten werden, die ihren Interessen – auch hinsichtlich der Gemeinschaftserlebnisse – gerecht werden bzw. ob Formen akzeptiert werden, die Jugendliche selbst entwickelt haben, und ob partnerschaftlich mit ihnen ko­operiert wird. Es ist deshalb von entscheidender Bedeutung, dass jungen Menschen Partizipationsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, die ihren Bedürf­nissen, ihren Kenntnissen und Fähigkeiten und ihrem Beteili­gungswillen gerecht werden. Beteiligung muss dabei als ein kontinuierli­cher, unum­kehrbarer Prozess angelegt sein und […] die jungen Menschen als Subjekt der Beteiligung und als „Expertinnen und Experten in eigener Sache“ in den Mittelpunkt stellen.“

Diese grundlegende Thematik war Gegenstand der Klausur, um das fachlich pädagogische Verständnis von Partizipation in der haug&partner unternehmensgruppe differenziert zu prüfen und zu analysieren. Denn: Partizipation ist nicht gleich Partizipation. Daher wurden zunächst folgende Aspekte geprüft, die für eine gelingende und wirkungsorientierte Partizipation von Bedeutung sind: Fremdbestimmung – Alibi-Funktion – Teilhabe – Informationsformen – Mitwirkung – Mitbestimmung – Selbstbestimmung – Selbstverwaltung. Diese Parameter sind wesentliche Pfeiler für die ernstgemeinte Beteiligung der jungen Menschen bei deren Belangen. Denn wirksame Partizipation hat keine Alibifunktion: sie ist verankerte Verantwortungsübergabe an die jungen Menschen nicht nur jedoch vorrangig an den wesentlichen Prozessen und Entscheidungen ihres Lebens.

Die haug&partner unternehmensgruppe verankert künftig folgende Prüfsteine hinsichtlich der Partizipation der jungen Menschen:

  • Ernsthaftigkeit der Mitbestimmung: Die Mitbestimmung der jungen Menschen ist konzeptionell verankert in der haug&partner unternehmensgruppe. Die Beteiligung der jungen Menschen findet somit ihre Umsetzung in allen wesentlichen Prozessen der jungen Menschen.
  • Die Vermeidung von Über- und Unterforderung: Die Beteiligungsformen müssen alters- und entwicklungsadäquat auf den jungen Menschen ausgerichtet sein.
  • Freiwilligkeit: Die Beteiligung der jungen Menschen basiert auf der Freiwilligkeit beim jungen Menschen.
  • Ernstcharakter, Akzeptanz und Umgang: Die Umsetzung der Partizipation muss bereits im Vorfeld abgeklärt und gewährleistet sein.
  • Kommunikative, kooperative Kompetenz und Planung: Die Beteiligungsformen werden nicht von den Erwachsenen erstellt. Es geht um die gemeinsame Erarbeitung der Beteiligungsformen, so dass jeder junge Mensch sich hier auch Gehör verschaffen kann.
  • Faktor zeitnahe Umsetzung: Die Beteiligung von jungen Menschen ist gelebte Realität; sie findet jetzt statt.

Die haug&partner unternehmensgruppe erkennt die Expertenschaft der jungen Menschen für ihre Lebenswirklichkeit und ihre Lebensthemen an. Partizipation ist also nicht eine strukturelle Voraus­setzung, welche sich aus den Bedingungen vor Ort sowie den konzeptionellen, rechtlichen und gesell­schaftlichen Rahmenbedingungen ergeben. Vielmehr ist sie vor allem an den persön­lichen, individuellen Voraussetzungen der jungen Menschen orientiert. Diesem fachlichen Anspruch stellen sich die pädagogischen Fachkräfte der haug&partner unternehmensgruppe in ihrem professionellen Handeln und Wirken. Dazu ist Voraussetzung, es jungen Menschen zu ermöglichen, in einem wach­senden (Aneignungs-) Prozess zunehmend Verantwortung für Dinge zu übernehmen, die sie aufgrund ihrer eigenen Bedürfnisse, selbst erdacht, erarbeitet und erschaffen haben. Dies hat in der Folge dann auch Auswirkungen auf de­ren selbstbestimmtes, verantwortungsvolles und politisches Hineinwach­sen und Le­ben in eine Gemeinschaft. Diese pädagogische Haltung findet ihre Umsetzung im sozialpädagogischen Alltag aller Betreuungsangebote in der haug&partner unternehmensgruppe.

Partizipation ist nicht gleich Partizipation. Für die haug&partner unternehmensgruppe hat die Beteiligung der jungen Menschen in allen ihren Belangen stets den höchsten Stellenwert:Das Kind hat das Recht, ernst genommen, nach seiner Meinung und seinem Einverständnis gefragt zu werden. (Janusz Korczak)