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IHRE SPENDE

Mein allergrößtes Ferienabenteuer

In diesem Bericht erzählt Sam von einem besonderen Ferienerlebnis.

Oma war an Weihnachten gestorben und ihr Haus stand jetzt leer und musste hergerichtet werden. An einem Donnerstagmorgen in den Ferien kam ein Installateur. Das finde ich immer ganz spannend, wenn Handwerker ins Haus kommen. Und so begleitete ich Chrissie – meine Betreuerin – an diesem Morgen. Im Keller huschte hinter mir blitzschnell ein Schatten vorbei – das hat außer mir aber niemand gesehen.

Am Abend kamen wir wieder in Omas Haus, um das Fressen für Oma´s Katzen hinzustellen. Als wir aber in die Küche kamen, saß eine fremde Katze am Futternapf und sprang, als sie uns sah, ganz flink wieder hinaus. Chrissie sagte mir, dass das eine Streunerin sei, die sich schon seit einige Wochen herumtreibt. Jetzt wusste ich auch, welchen Schatten ich am Morgen im Keller gesehen hatte.

Im Keller wollten wir nochmals die Arbeit des Installateurs anschauen. Da kam uns auf der Treppe schon wieder die Streunerin entgegen. Als sie uns sah, flüchtete sie zurück in den Keller. Wir verfolgten sie, weil Chrissi nicht wollte, dass die Streunerin sich im Haus aufhält. In der dunkelsten Ecke des Kellers stieß Chrissie plötzlich einen Schrei aus: „Sam hol mal schnell Omas Taschenlampe!“. Ich flitzte in die Kühe und brachte Chrissie die Taschenlampe. Als der Lichtstrahl in die dunkle Ecke fiel, sahen wir die Streunerin und dahinter fünf kleine Kätzchen. Die Streunerin knurrte und fauchte uns an.

Wir zogen uns zurück, suchten einen großen Karten und legten ihn mit Omas flauschigsten Decken aus. Später am Abend, als wir die Streunerin im Garten sahen, schnappte sich Chrissie den Karten und rannte in den Keller. Dort packte sie die Kätzchen in den Karton und stelle noch Trockenfutter und Katzenmilch daneben.

Am nächsten Morgen konnte ich es kaum erwarten, bis wir wieder zu Omas Haus fuhren und nach den Kätzchen schauen konnten. Die Tellerchen waren leer. Aber auch das rote Kätzchen fehlte. Chrissie meinte, dass die Streunerin die Kätzchen jetzt in ein anderes versteck bringen würde. Bis zum Abend fehlten noch zwei weitere Kätzchen. Ich war sehr enttäuscht.

Am nächsten Tag erzählte Chrissie, dass zwei Kätzchen noch immer alleine da waren. „Wir warten jetzt noch einen Tag Sam, aber dann muss etwas passieren.“, meinte Chrissi. Am Abend sahen wir wieder nach den Kätzchen und fanden sie hungrig und halb erfroren vor. Wir nahmen sie mit, wärmten sie und gaben ihnen verdünnte Katzenmilch.

Chrissie erklärte mir, dass die Streunerin wahrscheinlich nicht genug Milch für den ganzen Wurf hatte und die Kleinen deshalb zurückgelassen hatte. Ich war sehr wütend: Wie konnte sie so etwas machen? „Dann sind das jetzt unsere Pflegekätzchen.“, sagte ich zu Chrissie.

Nachts machte ich mir viele Gedanken und fragte mich, warum ich ein Pflegekind bin: Hatte meine Mutter auch nicht genug Milch für mich gehabt und mich deswegen abgegeben? Oder war ich ein böses Kind und sie mit mir überfordert. Ich hatte plötzlich so viele Fragen und löcherte Chrissie. Sie sagte mir, dass manche Eltern einfach keine Zeit für ihre Kinder haben oder sie überfordert sind. So wie es bei der Streunerin der Fall war: Sie hätte sicher gerne ihren Wurf durchgebracht, aber hat gemerkt, dass sie nur Kraft für drei Kätzchen hat. Jetzt wurde mir einiges klar: Meine Mama hatte nicht genug Kraft für alle Kinder gehabt und deshalb hat sie meinen Bruder und mich abgegeben, damit es für alle reicht. Jetzt weiß ich auch, dass ich meiner Mama nicht böse sein darf. Chrisi ist ja auch nicht böse auf die Streunerin Sie hat letztendlich das Richtige getan und die beiden Kätzchen zu uns genommen.

Chrissie hat die Nachbarschaft über den Fund der Katzenbabys und die Streunerin, die sich mit ihren Kätzchen irgendwo versteckt, informiert und sie darum gebeten sich bei ihr zu melden, falls sie sie finden. Und tatsächlich rief ein paar Tage später eine Nachbarin an und erzählt von einem Lichtschacht, in dem die Streunerin mit den Kätzchen liegt. Daraufhin führ Chrissi gleich los und holte die Streunerin samt den Kätzchen zu uns nach Hause.

Chrissie sagte, die Streunerin müsse sterilisiert werden: „Sonst haben wir sehr bald eine Katzenkolonie hier, und das will niemand.“ Dann machten wir uns Gedanken darüber wie die Katze heißen sollte. Wir schauten im Internet nach, um welche Art von Katzen es sich handelt und wurden fündig: Eine Schildpattkatze. Und Chrissi fand dann auch einen passenden Namen: „Nala“. Dieser Name kommt auf Äthiopien und bedeutet „Dunkle Königin“. Ich malte mir schon aus, wie Nala bei uns wohnen würde. Aber Chrissi sagte, dass es das Beste wäre, Nala nach der Sterilisation selbst entscheiden zu lassen. Entweder kommt sie dann immer wieder oder sie zieht weiter.

Ich kümmerte mich den ganzen Tag um die Kätzchen: Ich wusch sie mit warmem Wasser und fütterte sie. Wir gaben den Kätzchen auch Namen: Ein Kätzchen wurde „Cosy“ genannt, weil sie nach dem Füttern so gern mit Chrissi kuschelte. Ein Kätzchen, das besonders laut nach ihrem Fläschchen schreit, heißt jetzt „Ava“ – das bedeutet Stimme. Und die hat Ava! Das rote Katerchen tauften wir „Kimba“, was in der Sprach der Suaheli „Löwe“ bedeutet. Dann gibt es noch „Jack“ und „Paulchen“.

Chrissi suchte bei Freunden und Verwandten nach einem neuen Zuhause für die Kleinen. Schon nach ein paar Tagen waren alle vergeben. Natürlich darf man sie erst nach zwölf Wochen abgeben. Da war ich vielleicht froh, denn so hatte ich sie noch eine Weile.

Wir fuhren jetzt dreimal am Tag zu Omas Haus und schauten nach Nala und den Jungen. Eines Tages fiel Chrissi auf, dass Paulchen nicht bei Nala sein durfte – er lag ganz abseits. An dem Tag fuhren wir nach dem Abendessen ganz schnell wieder zu den Katzen. Aber es war schon zu spät: Paulchen war tot. Nala hatte sich einfach auf ihn gesetzt und ihn zu Tode gequetscht. Für mich war das ein Schock! Chrissi meinte: „Nala hat fast keine Milch mehr. Deshalb hat sie Paulchen zerdrückt. Morgen müssen wir die beiden Katerchen zu uns holen.“ Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten: „Was ist das nur für eine Monstermutter?“

Als wir zu Hause angekommen waren, suchten wir einen schönen Platz im Garten, um Paulchen zu beerdigen. Wir fanden einen Platz bei den schön blühenden Hortensien. Es tröstete mich etwas, dass Oma jetzt im Himmel auf Paulchen aufpassen würde.

Chrissi und ich kümmerten und weiterhin zusammen um die vier übrig gebliebenen Kätzchen. Als wir einmal auf dem Boden saßen und die Kleinen bestaunten, kam mir der Gedanke, dass wir wie das Jugendamt waren. „Hat das Jugendamt meinen Bruder und mich von Zuhause weggeholt, damit uns nichts passiert?“ wollte ich von Chrissie wissen. Chrissie sagte: „Das Jugendamt hat euch von euren Eltern weggeholt, weil ihr nicht gut genug versorgt wart.“ Und bei Chrissi geht es uns wirklich gut. Chrissi spricht viel mit uns und erklärt uns das Leben, damit wir später einmal „einen vollen Lebensrucksack“ haben, wie sie immer sagt. Der ist nämlich wichtig, damit man seine Aufgaben im Leben erfüllen kann.

Wir fahren immer noch jeden Tag zu Omas Haus und schauen nach den Katzen. Morgen wird Nala sterilisiert. Danach bleibt sie zwei Tage im Haus, dann kann sie wählen, ob sie bleiben will oder ihrem Freiheitsdrang folgen möchte.

Der Abschied von Nala wird mir wehtun. Aber wenn ich daran denke, dass die Kätzchen in acht Wochen fort sind, kommen mir jetzt schon die Tränen.

Ich hatte gedacht, dass meine Sommerferien nicht besonders interessant werden würden. Aber ich habe ganz viel gelernt und langweilig wurde mir auch nicht. Und eines habe ich ganz genau erkannt: Chrissi hat ein ganz großes Herz. Und so eines möchte ich auch haben. Ich glaube, dass man das aber nur bekommt, wenn man offen für die Not anderer ist, auch für die Not der Tiere. Chrissi hat einmal zu mir gesagt, dass jeder Mensch sein Herz aufschließen muss, wenn er lieben und geliebt werden möchte. Wenn Jack vor mir steht, mich anmiaut und mit mir spielen will, dann weiß ich, dass ich mein herz aufgeschlossen habe.

Sam / Sommerfeiern 2020

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